News • 27.01.2022

Das E-Commerce-Jahr 2021 in Zahlen

bevh zieht Bilanz und gibt einen Ausblick auf das kommende Jahr

Ein Mann trägt Pakete; Copyright: Handy Wicaksono/Unsplash...
Quelle: Handy Wicaksono/Unsplash

Was tut sich im E-Commerce, woher kommen wir und wohin führt der Weg? Der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland e.V. (bevh) gab in seiner Jahrespressekonferenz einen Ausblick. iXtenso fasst die wichtigsten Punkte zusammen. 

Die Pandemie macht es dem Handel beileibe nicht leicht, aber in Bezug auf den E-Commerce sehen die Zahlen gar nicht schlecht aus: 2021 wurden hier 99,1 Milliarden Euro Umsatz erzielt, was einem Marktwachstum von 19 Prozent entspricht. Damit hat die Branche die magischen 100 Milliarden fast geknackt – rechnet man telefonische Bestellungen dazu, sind es tatsächlich schon heute 100,3 Milliarden Euro. Jeden siebten Euro geben die Kund*innen im Onlinehandel aus, im Bereich Non-Food ist es sogar jeder fünfte Euro. 

Nach Branchen betrachtet ergibt sich ein interessantes Bild: Obwohl Läden das täglichen Bedarfs wie Drogerien oder Lebensmittelgeschäfte auch in den Lockdowns nie geschlossen hatten, hat besonders diese Warengruppe einen ordentlichen Anstieg des Umsatzes im E-Commerce erzielt – er wurde 2021 im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt auf 9,4 Milliarden Euro. Besonders gefragt war im zweiten Pandemie-Jahr auch die Unterhaltungselektronik, hier stieg der Umsatz um ein Viertel auf 16,4 Milliarden Euro. Lediglich die Reisebranche ist weiter gebeutelt, da die Konsument*innen weiterhin vorsichtig sind, was die Buchung von Reisen oder Events betrifft. 

E-Commerce bei allen Altersgruppen beliebt

Ein starkes Branchen-Wachstum geht immer mit Personal einher, dass die gesteigerte Nachfrage bedienen muss. Das ist den Händler*innen 2021 exzellent gelungen: 96,3 Prozent der Kund*innen gaben bei Umfragen an, zufrieden und sehr zufrieden zu sein. 

Aufschlussreich sind auch die demografischen Werte: Der E-Commerce in allen Altersgruppen ungefähr gleich beliebt ist. Überraschend erscheint, dass besonders ältere Kund*innen regelmäßig im Onlinehandel einkaufen und das auch künftig beibehalten wollen: 7,2 Prozent gaben an, in Zukunft mehr online einzukaufen. 

Drei von vier Deutschen gaben an, im letzten Monat online etwas gekauft zu haben, und über die Hälfte von ihnen sogar in der letzten Woche – der E-Commerce kann sich also über eine stabile Nachfrage freuen. Ein ähnliches Bild ergibt sich, wenn man die Bestellfrequenz genauer betrachtet: 40,9 Prozent der Befragten gaben an, mehr als einmal wöchentlich online einzukaufen, womit der Wert im Vergleich zu 2020 gestiegen ist. 

Online-Auftritt spielt große Rolle

Wichtig für die Händler*innen, die im E-Commerce tätig sind, ist besonders der Online-Auftritt. Jeder zweite Euro, der heute im E-Commerce ausgegeben wird, wird über mobile Endgeräte erzielt. Damit ist klar: Wo vor einigen Jahren noch ein Onlineshop reichte, werden heute Apps und Social Media zum Gate Way des Onlinehandels, besonders bei der Altersgruppe von 14 bis 29. Das bedeutet nicht, dass der klassische Onlineshop irrelevant ist, aber er hat doch an Relevanz verloren und Händler*innen sollten sich bemühen, zusätzlich andere Kanäle zu bespielen. 

Auch im Bereich der Bezahlung hat sich einiges getan: Der Kauf auf Rechnung oder per Kreditkarte wächst nicht, aber Mobile Wallets werden bei den Kund*innen immer beliebter – und das quer durch alle Altersgruppen. 

Ausblick auf gesetzliche Bedingungen

Und wie geht es in Zukunft weiter? Für den bevh ist Seamless Commerce die neue Norm, auf den der neue Koalitionsvertrag wahrscheinlich auch eingehen wird. Doch auch in Bezug auf europäische Gesetze wird sich einiges tun. Besonders auf vier Punkte der Gesetzesänderungen der EU schaut der Onlinehandel: 

  1. Die Vertikal-Gruppenfreistellungsverordnung regelt das Verhältnis zwischen Hersteller*innen und Händler*innen. Der bevh äußert Bedenken, dass der neue Entwurf den Onlinehandel schlechter dastehen ließe, da er Herstellenden ermöglicht, online teurere Preise aufzurufen.

  2. Der Digital Markets Act legt fest, wie Handel online stattfinden soll. Hier treibt die Branche besonders eine Frage um: Kund*innen tracken oder mehr Anonymität?
     
  3. Das Vorhaben des Digital Services Acts reformiert die Richtlinien, die in den vergangenen 20 Jahre im Onlinehandel herrschten. Außerdem soll er für mehr wettbewerbliches Gleichgewicht zwischen Onlinehändler*innen und stationären Handelsunternehmen sorgen.

  4. Die EU möchte die Verbraucher*innen in Richtung einer Kreislaufwirtschaft bringen, in der weniger weggeschmissen und mehr gebrauchte Güter in Umlauf gebracht werden. Für den Handel würde ein solches Gesetz allerdings bedeuten, dass beispielsweise Retouren künftig nicht mehr mit verkürzter Gewährleistung verkauft werden können. Ein Recht der Kund*innen auf Reparaturen findet der bevh grundsätzlich sinnvoll, allerdings sollte die Pflicht in dem Fall bei den Hersteller*innen und nicht bei den Händler*innen liegen. 

Der bevh wünscht sich insgesamt einen gleichen Rahmen für alle E-Commerce-Händler*innen in Europa. Unabhängig von den Diskussionen über gesetzlichen Grundlagen blickt er aber optimistisch auf das kommende Jahr: Für 2022 prognostiziert er einen E-Commerce Warenumsatz von 11 Milliarden Euro – das wäre ein Anstieg um 12 Prozent. 

Autorin: Kyra Molinari

Weitere Beiträge zum Thema:

Beliebte Beiträge:

Thumbnail-Foto: Mehr als nur Bezahlen?
28.02.2024   #Handel #Mobile Payment

Mehr als nur Bezahlen?

Interview mit Fiserv

Bargeldzahlungen sind zwar noch nicht ganz Schnee von gestern. Aber könnten sie es irgendwann werden? Oliver Lohmüller-Gillot, Geschäftsführer der TeleCash from Fiserv, erklärt, warum der Handel auf modernere ...

Thumbnail-Foto: Valentinstags-Marketing: kreative Kampagnen, die den Ton treffen...
18.01.2024   #stationärer Einzelhandel #Nachhaltigkeit

Valentinstags-Marketing: kreative Kampagnen, die den Ton treffen

Beispiele, wie du am Valentinstag punkten kannst

Zalando schlug 2021 zwei Fliegen mit einer Klappe: Mit der Aufforderung „campaign exchange the clothes after your ex“ zeigte man der Kundschaft ...

Thumbnail-Foto: CS:GO Skins kaufen: Tipps, um die besten Angebote online zu finden...
07.12.2023   #Digitales Marketing #Virtual Reality

CS:GO Skins kaufen: Tipps, um die besten Angebote online zu finden

In der dynamischen Welt von Counter-Strike: Global Offensive (CSGO) ist der Kauf von Skins mehr als ein Nebenaspekt des Spiels.

Dieser Kauf ist ein zentraler Bestandteil der Spielerfahrung. Diese virtuellen Kosmetika verändern das Aussehen der Waffen im Spiel und bieten Spielern eine Möglichkeit, Individualität und Stil zu zeigen. In diesem Artikel tauchen wir ...

Thumbnail-Foto: Chinesisches Neujahrsfest 2024: erfolgreiche Marketingstrategien...
31.01.2024   #E-Commerce #Marketing

Chinesisches Neujahrsfest 2024: erfolgreiche Marketingstrategien

So können (Online-)Händler*innen von den Feierlichkeiten profitieren

Das Chinesische Neujahrsfest 2024 beginnt am 10. Februar und dauert 16 Tage. Während des bedeutenden Festes, das nicht nur in China ...

Thumbnail-Foto: Für dich: Retail-Marketing-Kalender 2024
08.01.2024   #Marketing #Verkaufsförderung

Für dich: Retail-Marketing-Kalender 2024

Diese Phasen und Tage kannst du im kommenden Jahr für dich und dein Geschäft nutzen

Geburtstage, Ferien, Urlaube … All diese Tage werden von uns alljährlich in Kalendern festgehalten, um unseren persönlichen Alltag zu planen. Aber auch das Geschäftsjahr lässt sich planen. Für Händler*innen kann ...

Thumbnail-Foto: Von Rebranding und digitalen Innovationen
28.02.2024   #Handel #Digitalisierung

Von Rebranding und digitalen Innovationen

Interview mit VusionGroup

Aus SES-imagotag wird VusionGroup – Was es mit dem Rebranding des Unternehmens auf sich hat, erzählt Alexander Hahn, VP & Country Manager DACH, im Interview. Er verrät, wie digitale Lösungen Geschäftsprozesse optimieren ...

Thumbnail-Foto: Zutrittslösungen von heute und für morgen
28.02.2024   #Handel #Tech in Retail

Zutrittslösungen von heute und für morgen

Interview mit Salto Systems GmbH

Türen mit Schlüsseln öffnen? Nicht, wenn es nach Salto Systems GmbH geht: Das Unternehmen bietet elektronische Zutrittslösungen an und zeigt auf der EuroCIS, was durch technischen Fortschritt alles möglich ist, wenn es um ...

Thumbnail-Foto: Veganuary 2024: Beste Verkaufsstrategien und Beispiele...
11.01.2024   #stationärer Einzelhandel #Lebensmitteleinzelhandel

Veganuary 2024: Beste Verkaufsstrategien und Beispiele

Warum Einzelhändler*innen den Trend nutzen sollten

Der Veganuary ist in Deutschland in die vierte Runde gestartet. Über 850 deutsche Unternehmen beteiligen sich an dieser globalen Bewegung ...

Thumbnail-Foto: REMIRA präsentiert die vollständig digitale Customer Journey...
16.02.2024   #Handel #Tech in Retail

REMIRA präsentiert die vollständig digitale Customer Journey

EuroCIS 2024: Maximaler Nutzen für Händler und Kunden
ohne Vendor-Lock-In

Die moderne Handelswelt ist geprägt vom Einsatz zahlreicher Systeme verschiedenster Anbieter. Insbesondere im Retail-Handel sind noch viele Softwareunternehmen nur mit immensem Aufwand bereit, Lösungen anderer Anbieter zu integrieren. ...

Thumbnail-Foto: Mit rapidmail die Kundenbindung stärken
22.02.2024   #Online-Handel #Marketing

Mit rapidmail die Kundenbindung stärken

Trotz sozialer Netzwerke und Kurznachrichten-Diensten – die E-Mail zählt noch immer zu den effektivsten Kanälen in der Kundenkommunikation und lässt sich in nahezu allen Marketingbereichen einsetzen. Die auf den Online-Vertrieb ...

Anbieter

REMIRA Group GmbH
REMIRA Group GmbH
Phoenixplatz 2
44263 Dortmund